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Suche nach der Nadel im Heuhaufen…

Nadel im Heuhaufen

 

… oder auch: „Auf der Suche nach dem richtigen Reitlehrer“

 

Ich suche Dich! Du solltest tierliebend sein, ehrlich und treu. Dein Alter ist mir eigentlich egal, doch du solltest für mich eine ruhige und angenehme Stimme besitzen. Vielleicht kannst du ja auch auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückgreifen und hättest Spaß daran, dich mit Problem- oder Jungpferden auseinander zu setzen.

 

Ob man mit einer solchen Annonce wohl Erfolg haben würde? Wie schaffe ich es auszudrücken, was mir wichtig ist? Woher weiß ich, was ich brauche?

Im Folgenden mal eine Art „Checkliste“ mit Anmerkungen und Gedanken. Nicht als starres Schema gedacht, sondern als Gedankenstütze und Ideengeber für die eigene Suche nach dem „perfekten“ Reitlehrer.

 

1. Was wünsche ich mir?

Je genauer man diese Frage beantworten kann, desto leichter wird es nachher aus der doch unermesslichen Zahl von Reitlehrern und Reittrainer das passende Angebot auszuwählen. Wichtig ist hierbei nicht nur „DAS großen Ziel“ zu definieren, sondern möglich auch schon ein paar Zwischenschritte festzulegen.

Wenn es mein großes Ziel ist eine S-Dressur zu reiten, dann sollten Zwischenschritte festgelegt werden: Hufschlagfiguren sauber reiten, den erster Turnierstart planen, reiten von Seitengängen, …

Soll das Ziel sein mit dem Jungpferd ins Gelände zu reiten, könnten die Zwischenschritte heißen: Führübungen, Schrecktraining, Anreiten, Gelände. Je nach konkretem Ziel bietet es sich an entweder einen gemeinsamen Weg mit einem Reittrainer anzustreben, oder die Zwischenschritte verschiedenen Reitlehrern anzuvertrauen.

2. Was kann ich?

Vielleicht eine der schwierigsten und gemeinsten Fragen überhaupt. Es hilft leider nur, sie ehrlich zu beantworten. Wer in diesem Punkt schummelt oder sich selber besser, aber auch wer sich schlechter macht, der wird im Endeffekt nicht zufrieden sein. Der neue Reitlehrer wird Mühe haben, jemanden dort abzuholen wo er steht, wenn er erstens einen falschen Treffpunkt angibt und dann vor allem darauf beharrt, auch noch dort zu sein. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen, sich mit einem Stallkollegen zusammen zu tun und ihn beurteilen lassen, auf welchem Stand sich die Arbeit zwischen Mensch und Pferd aktuell befindet. Weitere Anhaltspunkte können Turnierprotokolle, Videoaufzeichnungen oder eine Gedankensammlung mit einer Mind-Map oder Tabelle sein.

3. Was suche ich?

Möchte ich eher eine Frau oder einen Mann als Reitlehrer? Oder ist mir der Punkt egal? Vielleicht wünsche ich mir jemanden mit beruhigender Stimme oder brauche ich eher etwas Unterstützung durch einen fordernden Ton beim Unterrichten? Stelle ich mir jemanden vor, der schon besondere Erfolge vorweisen kann, den Europameister im Cutting oder einen Ausbilder von Junghengsten für Körungen? Brauche ich einen Reitlehrer mit viel Erfahrung oder möchte ich lieber einem frisch beurkundeten Pferdewirt Reiten mit frischen Ideen testen? Suche ich Unterstützung direkt vor Ort um zweimal wöchentlich Unterricht zu nehmen? Suche ich auch im weiteren Umkreis oder gar ganz egal wie weit, weil ich den Unterricht nur als Intensivtraining im Urlaub nutzen möchte? Fragen über Fragen.

 


 

Nun folgt der nächste Schritt, auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

1. Angebote durchstöbern

Idealerweise schon hier eine kleine Liste anlegen für die Angebote, die in die nähere Auswahl kommen. Notieren was für und was gegen einen bestimmten Trainer spricht. Ebenso eine kurze Notiz, welche Informationen fehlen oder nachgefragt werden müssen.

2. Angebote auswählen

Keiner schreibt vor, dass man sich nur auf ein Angebot festlegen muss, immer besteht die Möglichkeit sich erstmal verschiedene Varianten offen zu halten und unterschiedliche Teststunden zu vereinbaren. Bitte den Termin gut notieren, es wäre schade einen schlechten ersten Eindruck zu hinterlassen, wenn man nicht pünktlich erscheint. In Zeiten von Handys sollte es möglich sein auch kurz anzurufen, falls etwas dazwischenkommt. Das gilt für beide Seiten.

3. Reitstunde genießen

Versuchen Sie ihre Reitstunde zu genießen. Niemand erwartet von Ihnen irgendetwas. Die ersten Stunden sollten immer dazu gedacht sein, die neuen Partner kennenzulernen. Nicht nur Reitlehrer und Reitschüler, auch das Pferd muss den neuen Menschen kennenlernen und der Reitlehrer muss schauen, welche Reaktionen das Pferd auf welche Übungen zeigt. Erwarten Sie auch nicht zu viel. Dieser Prozess des Zusammenfindens benötigt seine Zeit. Nicht alle Probleme, die ihnen im Kopf herum gehen sind für den neuen „dritten Mann im Bunde“ sofort offensichtlich oder wichtig genug, dass er sie in der Stunde anspricht. Scheuen Sie sich aber auch nicht, sich und ihr Pferd zu Beginn kurz vorzustellen und ihre Erwartungen zu äußern.

4. Nacharbeit

Am Besten nimmt man sich nach der Stunde seinen im Voraus geschriebenen Gedankenzettel zur Hand und überprüft noch einmal, ob die Wünsche und das eben Erlebte tatsächlich zusammenpassen. Dann gilt es eine Nacht darüber zu schlafen und am nächsten Tag dem Reittrainer/Reitlehrer, falls noch keine endgültige Entscheidung getroffen wurde ein kurzes Feedback zu geben. Wichtig ist hier aber, dass man ehrlich kommuniziert. Es ist nicht sonderlich fair einen Reittrainer mehrere Wochen „hinzuhalten“. Lieber offen besprechen, dass man gerade noch in der Findungsphase ist und sich erst in X Tagen/Wochen entscheiden möchte. So kann der Gegenüber seine restlichen Kapazitäten planen.

 

Wichtig ist auch, dass man von Zeit zu Zeit überprüft, ob der Weg, den man eingeschlagen hat, der richtige ist. Hier helfen Gespräche mit dem Reittrainer: Vielleicht ist es notwendig, dies nach jeder Stunde zu tun, vielleicht ergibt es sich aber auch, dass es geschickter erscheint, einmal im Monat darüber zu reden. Legen Sie sich Termine fest, an denen kurz innegehalten und darüber nachgedacht wird, ob ihre Zielvorstellung zum aktuell Erreichten passt.

Es kann passieren, dass sie dabei feststellen, dass ihr Reitlehrer nicht mehr zu ihnen und ihrem aktuellen Wünschen passt. Scheuen Sie sich nicht ihm das gegenüber anzusprechen. Vielleicht ist er froh darüber zu erfahren, was ihnen am Herzen liegt. Vielleicht hat er aber auch einen guten Tipp für Sie parat, an wen sie sich wenden können.

Denken Sie auch immer daran, sich im Guten zu trennen, wer weiß, ob man sich nicht nochmal begegnet und dann freudig mit offenen Armen empfangen wird und ein nettes Gespräch entsteht, wie der weitere Weg verlaufen ist.

Noch ein Tipp: Haben Sie die Nadel (oder besser den perfekten Reitlehrer) im Heuhaufen gefunden, dann passen Sie gut drauf auf 😉