Allgemein

Auf der Suche nach dem Traumpferd

Eines Tages ist es so weit, das erste Pferd soll gekauft werden. Vielleicht ist es auch das Nachwuchspferd, nach dem man schon mal beginnt, Ausschau zu halten. Oder es steht die Überlegung im Raum, sich nach einem Zweitpferd umzuschauen. Nur, wie geht man denn am besten vor, um nachher genau das zu bekommen, was man sich erträumt? Im Folgenden ein paar Tipps, die euch bei der Pferdesuche helfen können.

Egal ob man nun für sich selbst nach einem Pferd sucht, einem Stallkollegen dabei helfen möchte oder sich im Auftrag eines Reitschülers umsieht, die erste Frage sollte sein: Was wird gewünscht?

  • Stellt eine Liste zusammen, die möglichst genau alles auflistet, was das zukünftige Pferd erfüllen sollte. Nicht nur Alter, Größe oder Ausbildungsstand. Vielleicht ist auch die Farbe wichtig, man denke an ein Kutschgespann oder ein Pferd für eine Quadrille-Gruppe, wofür dieses Merkmal unter Umständen eine wichtige Rolle spielen mag. Denkt vor allem auch an so Dinge wie „turniererfahren“, „von schwächerem Reiter reitbar“, „kennt Wassergräben“, „steht brav, auch wenn Kinder putzen“ oder „leicht am Bein“. Das heißt nicht, dass ihr all diese Angaben auch sofort in den Verkaufsanzeigen finden werdet, aber man kann später aktiv nachfragen, wenn einem noch Informationen fehlen. Am Ende überlegt ihr euch, was der maximale Preis ist, den ihr bereit wärt für euer absolutes Traumpferd zu bezahlen, das ihr euch eben vorgestellt habt.
  • Als nächste Überlegung ergänzt ihr diese Liste in einer extra Spalte um Dinge, die ihr für jede einzelne gewünschte Eigenschaft maximal in Kauf nehmen würdet. Also z.B. „gewünschtes Alter 8-12 Jahre“, dann käme in die Extra-Spalte „maximal 6-16 Jahre“. Zusätzlich notiert ihr euch eine Zahl dahinter, die dem Preis entspricht, den ihr euch vorstellen könntet, dafür in Kauf zu nehmen, dass das Pferd eben nicht eurem Wunsch entspricht: „Wenn das Pferd zwei Jahre jünger ist, dann müsste ich vermutlich noch extra Geld in die Ausbildung durch einen Profi stecken, dafür werde ich es vermutlich länger reiten können, das wäre mir denselben Preis wert. Wenn das Pferd allerdings älter ist, dann würde ich pro extra Lebensjahr 100 Euro weniger zahlen wollen.“ Oder „Wenn das Pferd im Parcours auf dem Turnier erfahren ist und schon auswärts Geländetage kennengelernt hat, dann wäre es für mich in Ordnung, wenn es noch keine Geländeprüfungen auf dem Turnier gegangen ist“ Manchmal kann es auch eine Notiz zur Klarstellung sein: „Ein Ausritt beim Probereiten muss auf jeden Fall möglich sein, sonst kommt das Pferd für mich nicht in Frage“.
  • Eine Idee, die sich besonders für Reiter eignet, die schon viele verschiedene Pferde geritten sind, insbesondere auch bei Umsteigern vom Reitschulpferd auf das eigene Pferd, ist es, sich zu überlegen, welche Pferde man gerne geritten ist und welche nicht. Über solch eine Aufstellung kann man sich ebenfalls klar darüber werden, welche Punkte einem besonders wichtig sind, auf was man nicht verzichten möchte, bzw. welche Dinge ein absolutes No-Go für das eigene Pferd wären. Auch hier würde ich immer überlegen, ob es Dinge sind, mit denen man sich arrangieren kann, bzw. an denen man gut arbeiten kann, um sie in kurzer Zeit sicher zu verbessern, oder ob es Dinge sind, die langwierig und mit viel Zeit und Geld verbunden sind, um sie vielleicht eines Tages etwas zu verbessern. Ähnlich kann man mit den Pferden vorgehen, die man im Stall stehen hat oder die man sonst irgendwoher kennt. Warum würde mir dieses Pferd auch als eigenes gefallen oder wieso käme ich nicht auf den Gedanken, mir solch ein Pferd zu kaufen?

Auf der Suche nach dem Traumpferd gerät man an die unterschiedlichsten Pferde, die man in Zeitschriftenanzeigen, in Internetforen, Sozialen Netzwerken, Verkaufsplattformen, vom Züchter, über Auktionen, durch Infos von Bekannten, über andere Reitschüler oder sein eigenes Netzwerk an Ausbilder, Hufschmieden, Sattlern oder anderen Pferdeberufen finden kann. Es wird der Tag kommen, an dem man sagt „Das ist es“. Mit diesen Vorüberlegungen hat man einen Leitfaden an der Hand. Aber man hat nicht nur den Leitfaden, sondern sich im Voraus überlegt, in welchen Punkten man sich einschränken könnte, welche Dinge man hinnehmen würde, was einem das an Mehrkosten wert wäre, aber auch, wann man nicht bereit wäre, den Preis zu zahlen. Selbst wenn die Herzchen dann in den Augen ob des traumhaften Sitzgefühls und der einfachen Bedienbarkeit leuchten, könnte man auf seiner Liste nachschauen, dass man „verladefromm“ als wichtigen Punkt genannt hat. Da man regemäßig aufs Turnier oder zu Lehrgängen fahren möchte und das nun bei diesem Pferd nicht gegeben ist, scheint ein Kauf allerdings sinnlos. Da aber dahinter notiert ist „Wenn Pferd maximal 8500 Euro kostet, kann ich 1500 Euro in ein Verladetraining investieren“ und das Pferd keine schlechten Erfahrungen gemacht hat, sondern einfach noch sehr unsicher ist, dann ist es schon kein absolutes Ausschlusskriterium mehr.

Ein Tipp zur Suche: Überlegt euch, wer das Wunschpferd aus welchem Grund abgeben könnte. Wird ein Kinderpony gesucht, das brav und Trubel gewohnt ist, lohnt es sich auch mal in Reitschulen nachzufragen. Manchmal gibt es dort ein Pony, das super für Kinder geeignet ist, aber der viele Reiterwechsel nicht so gut bekommt. Oder man sucht ein Springpferd, das routiniert im Parcours ist. Dann mal die Ohren offenhalten bzw. aktiv nachfragen, wenn ein bekannter Springausbilder oder seine Schüler auf einem Turnier starten.

Im Laufe des ersten Kontakts kann es sinnvoll sein, kurz die wesentlichen Dinge der Annonce mit dem Verkäufer abzuklären: Stimmt die angegebene Größe in der Anzeige? Wie äußert sich ein „mag keinen Reiter mit harter Hand“? Bedeutet „totenbrav im Gelände“, dass man nicht hoffen muss, auch mal einen Galopp reiten zu können, weil das Pferd eher stehenbleibt, statt frisch voranzugehen? Erfragt unbedingt nochmal, ob es sich um einen Privatverkauf oder einen gewerblichen Pferdehändler handelt. Wie oft wurde sich schon darauf berufen, insbesondere in den Internetanzeigen, aus Versehen einen falschen Klick gemacht zu haben und es später nicht mehr abgeändert zu bekommen. Auch nach dem genauen Standort des Pferdes solltet ihr fragen. Aktuell mal wieder den Fall gehabt, dass ein Pferd im Umkreis von 150 km gesucht wurde. Die Anzeige wurde aber für verschiedene Orte in Deutschland erstellt und das Pferd stand im Endeffekt noch in Holland.

Macht Notizen von den Telefongesprächen, die ihr führt, von Emails und Screenshots von den Anzeigen. Nicht selten kam es schon vor, dass Anzeigen nachträglich geändert wurden. Am besten Pro Pferd ein Dokument auf dem Computer, im Handy oder klassisch als große Karteikarte. Insbesondere wenn ihr mehrere Pferde ausgesucht habt oder bei mehreren Terminen zum Probereiten vereinbart habt. So kann man im Vorfeld nochmal schnell nachlesen was man schon alles besprochen hat und was noch an Fragen aufkam. Manchmal ist es auch sehr interessant zu sehen, dass Pferde nach ein paar Wochen/Monaten wieder „neu“ auf den Markt kommen. Hier ist es dann besonders interessant, was sich im Vergleich zu den alten Angaben geändert hat und ob sie in der Zwischenzeit beim alten Verkäufer verblieben sind oder schon wieder weitergereicht werden. Idealerweise macht ihr euch dann auch Notizen vom ersten Besuch beim Pferd, dem Termin zum Probereiten. Da dies aber ebenfalls ein umfassendes Thema ist, wird es dazu in naher Zukunft einen eigenen Artikel zum Thema Probereiten geben.