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Aufs falsche Pferd gesetzt?

Na, Hand aufs Herz, wie lange ist es her, dass Sie zum letzten Mal „Fremdreiter“ waren? Oder gehören Sie zufällig zu denen, die es regelmäßig tun? Wie immer hat sowas Vor- und Nachteile, im heutigen Text soll es allerdings drum gehen, weshalb ich das „Fremdreiten“ immer mal wieder für jeden empfehlen würde.

Man kennt sich wie ein altes Ehepaar, weiß wie der andere tickt, weiß, wie man ihn auf die Palme kriegen kann, weiß aber auch, was ihm gut tut und was er gerne hat. Die Kommunikation funktioniert mit kleinsten Signalen, die kleinen Problemchen sind bekannt und man hat sich mit ihnen arrangiert. Weshalb denn dann den Schritt machen und sich auf ein fremdes Pferd setzen? Gründe kann es einige dafür geben:

1.Fremdreiten auf einem Lehrpferd

Vielleicht gibt es ja doch noch die ein oder andere Übung, die mit dem eigenen Pferd noch nicht so hundertprozentig klappt, oder es vom Ausbildungsstand womöglich noch nicht soweit ist, das zu können. Hier bietet es sich an, diese Dinge mit einem routinierten Lehrpferd zu erarbeiten, zu üben und zu verfeinern. So kann man zu einem Reitgefühl kommen, dass das eigene Pferd einen (noch) nicht vermitteln kann. Denn erst wer gefühlt hat um was es geht – und dies nicht nur einmal, sondern am besten auch noch auf verschiedenen Pferden – kann dieses Gefühl dann später auch abrufen und als Vergleichsmaßstab nehmen.

2. Fremdreiten zum Vertrauensaufbau

Das eigene Pferd erschreckt sich im Gelände ständig vor Blättern, die der Wind umher weht? Oder gibt beim Springen auf die Kombination hin soviel Gas, dass es einem ganz unheimlich im Sattel wird? Hier kann ein Fremdpferd dafür sorgen, dass man wieder Vertrauen in die Situation bekommt. Gleichzeitig muss natürlich auch daran gearbeitet werden, dass das eigene Pferd hier wieder zuverlässiger wird. Schwierig wird die Situation jedoch, wenn beide gleichzeitig miteinander lernen müssen. Der eine weiß vom anderen, wie er in der Situation vermutlich reagieren wird, es entsteht ein Teufelskreis.

3. Fremdreiten zur Abwechslung

Schonmal drüber nachgedacht eine ganz andere Reitweise auszuprobieren? Starten Sie den Versuch doch einfach mal. Es werden immer mal wieder Wochenendkurse angeboten. Nutzen Sie diese Chance auf einem Lehrpferd zu verstehen, wie die anderen Reitweisen funktionieren. Ein Dressurpferd kann von der Signalreitweise profitieren, es lernt seine Aufgaben selbständiger zu erledigen. Ein Westernpferd kann von versammelnden Übungen profitieren um mehr Last aufzunehmen und dadurch wendiger zu werden. Geländereiter können dressurmäßige Übungen mit in die Trainingsrunden aufnehmen. Auf geht’s, lernen sie neue Sichtweisen kennen, lassen Sie sich neue Übungen zeigen, nehmen sie die Anreize für das eigene Training mit, schauen Sie über den Tellerrand.

4. Fremdreiten für ein besseres Körpergefühl

Der Großpferdreiter auf dem Isländer, der Westernreiter in der Cavalletti-Reihe, der Dressurreiter im Gelände auf dem Tinker unterwegs oder der Haflinger-Reiter beim Testritt auf dem Araber der Stallkollegin. All diese Erfahrungen schulen unser Körperbewusstsein, schulen die Koordinationsfähigkeit, fordern neue Bewegungsmuster und Hilfengebung. Nutzen sie diese Chancen ihr eigenes Reitkönnen zu überprüfen, das Reitgefühl herauszufordern und sich über diese Erfahrungen hinweg weiter zu entwickeln.

5. Fremdreiten zum Spaß

Der wichtigste Punkt zum Schluss. Machen sie es doch einfach mal zum Spaß. Suchen sie sich ein oder zwei oder noch mehr Partner aus, werfen sie ein Los in eine Box und dann wird gezogen. Versuchen sie herauszufinden, wie das andere Pferd tickt, was ihm schwerfällt, was ihm leichtfällt. Bleiben sie immer fair zu ihrem „Austauschpferd“ und auch zur „Austauschmama/Austauschpapa“. Vielleicht hat ja auch der gemeinsame Reitlehrer Spaß an diesem Tauschgeschäft? Oder sie buchen den „fremden“ Reitlehrer gleich noch mit für eine Stunde?

Sie werden sehen, selbst wenn man mal „aufs falsche Pferd gesetzt hat“, lernen kann man immer noch genügend! Viel Spaß beim Ausprobieren!