Reitlehrer & Reitschüler

Kommunikation ist alles – Alles ist Kommunikation?

Srechblase vor buntem Hintergrund

Nicht nur im Reitunterricht, auch im Umgang mit dem Pferd, den Mitreitern und Stallkollegen müssen Dinge besprochen, Probleme gelöst und Wünsche geäußert werden. Kommunikation ist allgegenwärtig. Sie findet verbal statt, einen großen Anteil übernimmt aber, und dies auch insbesondere im Umgang mit den Tieren, die nonverbale Kommunikation.

Es ist uns möglich, bewusst, aber auch unbewusst, mit dem Gegenüber zu kommunizieren, sei es durch die Wortwahl direkt als auch durch Untertöne, Ironie, Sarkasmus. Geleitet von unserem aktuellen Gefühlszustand kommunizieren wir weiterhin auch nicht nur durch die Dinge, die wir tun, sondern auch durch Unterlassungen. Sage ich meinen Gegenüber zwar „Guten Tag“, schaue ihm dabei aber nicht in die Augen und vermeide es, seine mir angebotene Hand zum Gruß entgegenzunehmen, bringe ich durchaus eine überwiegend abweisende Haltung ihm gegenüber zum Ausdruck.

Einer der berühmtesten Zitate in diesem Zusammenhang ist das erste Grundsatz den Paul Watzlawick zum Thema Kommunikation aufgestellt hat:

„Man kann nicht nicht kommunizieren“.

Steht mein Reitlehrer schlaff und uninteressiert in der Ecke, wird sich diese Stimmung sofort auch auf mich übertragen. Es liegt nun an mir, ob ich dieses Gefühl aufnehme oder mich davon distanzieren kann. Genauso hat er über seine Körpersprache auch die Möglichkeit mich positiv zu stimmen, mir Energie zu senden und mich zu motivieren. So lassen sich manche Hürden ohne viele Worte ganz leicht umschiffen.

Ich merke, ob mein Gesprächspartner mir gegen über eine positive Grundstimmung hat oder ob es zwischen uns unausgesprochene Probleme gibt.

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt“.

Diese beiden Gesichtspunkte kann man nicht gesondert betrachten, sie stehen in engem Austausch miteinander und bedingen sich gegenseitig.

Stellen wir uns folgendes vor: Reitstunde, eine altbekannte Übung ist zu absolvieren, es treten Ungereimtheiten auf, das Pferd ist widersetzlich oder ich als Reitschüler provoziere einen Fehler. Der Reitlehrer bittet mich also zu sich, erklärt die Aufgabe erneut, mit leicht genervten Unterton in der Stimme und entlässt mich wieder in die Bahn. Ich habe die Worte im Kopf, bin enttäuscht, weil es so schief ging. Ich versuche die Aufgabe zu erfüllen, es kommt, wie zu befürchten: Die Aufgabe läuft wieder schief. Mein Reitlehrer denkt sich „Habe ich es doch geahnt, dass das schon wieder nichts wird“ und wird mich mit seinem nächsten Satz erneut darin bestätigen, dass meine Enttäuschung gerechtfertigt war. Dies führt uns zum dritten Satz:

„Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung“.

Diesen Teufelskreis gilt es zu erkennen und dann zu durchbrechen. Wie fragen Sie? Indem einer der Partner sein Verhalten ändert, einfach geschrieben, schwer umgesetzt. Durch eine Änderung in der Kommunikation ist aber der Partner gefordert, auch seine Reaktion anzupassen, der Teufelskreis wird zu einer Spirale, die sich in eine andere Richtung weiterentwickeln kann. Man kann sich diesen Aspekt auch zu Nutze machen: Durch kleine, gut formulierte Teilschritte und Übungsaufgaben kann der Reitlehrer ein positives Gefühl übermitteln, da er sich sicher sein kann, dass der Schüler es schaffen und positiv besetzt beenden kann, dieses Glückgefühl überträgt der Schüler dann auf den Lehrer, der sich eine nächste kleine Aufgabe ausdenken kann und darin viel Phantasie und seine Erfahrung einfließen lässt, um dem Gegenüber erneut das positive Gefühl geben zu können. Was dabei ungemein hilft, ist gemeinsam darüber zu lachen, wenn eine Aufgabe nicht wie gewollt funktioniert hat und gemeinsam nochmal neu zu starten.

Auch der vierte Grundsatz

„Kommunikation ist analog und digital“

lohnt sich zur näheren Betrachtung. Es ist nicht etwa die Welt der digitalen Medien, sondern die Dinge, die rein über die Wahl der Worte an das Gegenüber gesendet werden. Analog definiert die nonverbale Übermittlung zum reinen Sinninhalt. Höre ich als Reitschüler die Worte. „Das hast du super gemacht!“, kann ich mich nicht alleine auf den Inhalt verlassen, der von diesen Worten übertragen wird. Nehme ich weiterhin auf, dass der Reitlehrer seine Augen verdreht, das Gesicht grimmig verzieht und beim Sprechen einen wütenden, genervten Tonfall anstimmt, kann ich mir schon denken, dass trotz dem Wort „super“, der übertragene Inhalt ein ganz anderer sein sollte. Auch hier spielt also die nonverbale Kommunikation eine große Rolle. Deswegen gilt: Wer erfolgreich kommunizieren möchte sollte darauf achten, dass über beide Kanäle eine Botschaft vermittelt wird die miteinander vereinbar ist.

„Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär“.

Es geht also um die Frage wie die beiden Partner zueinander stehen. Es geht hierbei nicht darum, wer die Oberhand hat, oder ob man ein freundschaftliches Verhältnis zueinander anstrebt. Es geht alleine um die, in einer bestimmten Situation notwendige Art der Kommunikation. Eine Beispiel der komplementären Kommunikation wäre eine Anweisung im Reitunterricht, hier besteht ein Unterschied im Wissen zwischen Lehrer und Schüler. Dies schließt aber keinesfalls aus, dass man sich hinterher nicht auf Augenhöhe, also symmetrisch, über die Lektion unterhält und Erfahrungen austauscht.

Dieser Austausch ist es, der das Miteinander so besonders macht. Denken Sie das nächste Mal daran, wenn sie vor einer Situation stehen, in der gesprochener Inhalt und nonverbal übermittelte Zeichen nicht miteinander harmonieren. Verstehen Sie, warum ihr Ehepartner schon wieder so genervt reagiert, wenn sie spät aus dem Stall nach Hause kommen. Lernen sie Widersetzlichkeiten ihres Pferdes neu zu bewerten. Haben sie Verständnis für den Reitlehrer, der nach einer anstrengenden Stunde vielleicht nicht mit dem gewohnten Elan bei ihnen weitermacht. Erkennen Sie, wenn ein Reitschüler durch seine ganze Körperhaltung zeigt, dass ihn persönlich etwas belastet und heute besser der Tag für altbekannte Übungen statt neue Lektionen ist.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, aber auch „Kommunikation dient dem Ich“ (Jens Wildenhain). Werden sie sich bewusst was geschieht, so können viele Probleme im Umgang miteinander erklärt und geklärt werden.

Auf einen regen Austausch!