Unterrichtsgestaltung

Hufschlagfiguren mit Varianten

Schlangenlinien durch die Bahn mit drei Bögen, aus dem Zirkel wechseln und dann eine Volte in der Ecke. Uns allen sind diese Bahnfiguren bekannt. Wer für abwechslungsreichen und lehrreichen Unterricht sorgen möchte kann und sollte dennoch auf diese altbewährten Linien zurückgreifen. Das WIE ist entscheidend.


Eine Möglichkeit ist es die Reitstunde unter ein bestimmtes Motto zu stellen. Nehmen wir das Thema „Kreise“. Zuerst die Zirkel, sauber eingeteilt, rund und in der richtigen Stellung und Biegung. Im nächsten Schritt dann die Kontrolle, ob auch an der offenen Zirkelseite über die äußeren Hilfen so begrenzt wird, dass das Pferd auch beim Überstreichen auf der korrekten Linie und in guter Haltung bleibt. Ist das gegeben, dann wird der Zirkel verkleinert auf den zweiten, dritten oder vierten Hufschlag. Auch hier wieder die Überprüfung der richtigen Hilfengebung. Spannend wird es, wenn diese Übung um die Wechsellinie „aus dem Zirkel wechseln“ erweitert wird. Kann was eben auf der einen Hand erarbeitet wurde sofort und in gleicher Art und Weise auf der neuen, anderen Hand umgesetzt werden? Oder treten hier andere Probleme auf die durch die Händigkeit des Pferdes oder auch des Reiters entstehen können? Sind Dinge plötzlich deutlicher oder schlechter zu erkennen? Kann der Reiter erkennen ob die Korrekturen, die auf der einen Hand nötig waren, in gleichem Maße auf der anderen Hand nötig sind? Stellt er selbständig fest, dass eine andere Hilfengebung gebraucht wird, oder reitet er in gleicher Art und Weise einfach weiter?
Je nach Können des Reitschülers kann man nun erweitern um Mittelzirkel, Volten, Kehrtvolten, durch den Zirkel wechseln oder Achter aus Volten.

Vielleicht bietet es sich aber auch an, eine ganz besondere Hufschlagfigur herauszupicken und diese auf verschiedene Arten zu variieren. In der Gangart, im Tempo, in der Haltung des Pferdes oder des Reiters oder auch in Kombinationen. Nehmen wir die Schlangenlinie mit drei Bögen. Erster Bogen im Schritt, der zweite im Trab, der dritte im Galopp. Oder die Bögen im leicht versammelten Tempo, die Geraden im Arbeitstrab. Diese Aufgabe erfordert schon einiges an Können. Muss nun nicht nur auf das korrekte Umstellen und zwischenzeitliche Geraderichten geachtet werden, sondern gleichzeitig auch die Tempounterschiede in schnell hintereinander folgenden Wechseln geritten werden. Eine weitere Variante ist es den ersten Bogen im Leichttraben zu reiten, den zweiten im Aussitzen und den dritten wieder im Leichttraben. Im zweiten Durchgang dann den ersten und dritten ausgesessen und nur beim mittleren leichttraben. Kombinieren kann man diese Übung mit einem leichten Zügel aus der Hand kauen lassen sobald der Reiter leichttrabt. Und in einem dritten Durchgang dann das Leichttraben in Arbeitshaltung und im Aussitzen das Pferd etwas herauskauen lassen.

Ein Spiel das vor allem meine jüngeren Reitschüler in der Abteilung gerne spielen ist: „Was fällt dir noch ein?“. Der erste Reiter gibt eine Figur vor z.B. „Durch die ganze Bahn wechseln“ und seine Aufgabe ist es nun mit der gesamten Abteilung diese Figur zu reiten und danach hinten anzuschließen. Dann ist der nächste dran, benennt eine Hufschlagfigur und darf, wenn sie korrekt geritten wurde hinten anschließen. Wichtig ist, keine Hufschlagfigur sollte ein zweites Mal genannt werden. Was nun aber tun, wenn einem Reiter keine neue Figur einfallen mag? Hier gibt es mehrere Lösungen. Gerade bei den Kindern sehr beliebt ist „Hufschlagfigur mit Aufgabe“. Dann reiten wir eben „Einfache Schlangenlinie im leichten Sitz“ oder „Volte mit Singen“ oder „Ganze Bahn ohne Zügel“. So lassen sich die bekannten Linien immer wieder variieren und kein Kind muss traurig sein, weil ihm nichts einfällt. Ganz nebenbei gibt es aber immer wieder fortgeschrittenere Kinder in der Gruppe, denen, wenn sie dann dran kommen, noch so Dinge wie „Kehrtvolte“ oder „Doppelte Schlangenlinie“ einfallen. So lernen die anderen Reitschüler ganz nebenbei neue Hufschlagfiguren kennen.

Eine andere Möglichkeit ist es eine Hufschlagfigur gegen eine Frage auszutauschen. Wem also keine Hufschlagfigur einfällt, der bekommt vom Reitlehrer eine Frage gestellt, ist die richtig beantwortet darf er antraben/angaloppieren/in einer großen Volte ans Abteilungsende aufschließen.

Wenn die Reiter schon geübter in den Hufschlagfiguren sind, kann man dieses Spiel auch abwandeln indem immer der letzte Reiter dem ersten eine Aufgabe stellt, die er erfüllen muss. Je nach Können der Reitschüler muss man dann als Reitlehrer etwas lenkend eingreifen, helfen wenn dem ersten Reiter diese Hufschlagfigur noch nicht so geläufig ist. Unter Umständen braucht es auch einen ersten Versuch im Schritt, um dann erst in den Trab zu wechseln.

Was aber tun mit fortgeschrittenen Reitern, die man über ungewöhnliche Hufschlagfiguren etwas aus der Reserve holen möchte? Wie wäre es denn statt einem „Aus der Ecke kehrt“ mal mit einem „In die Ecke kehrt“. Alternativ bietet sich auch eine Kehrtvolte auf der Viertellinie an. Je nach Können des Reiters kann diese vom Kreuzungspunkt mit der E-B-Line aus zuerst nach rechts geritten werden um dann beim erneuten Überqueren der E-B-Linie nach links ausgeführt zu werden. Allgemein eignen sich die Viertellinien gut für das Üben der korrekten Einteilung der Hufschlagfiguren. Gut kann man einfache oder doppelte Schlangenlinien auf der Viertellinie versuchen, herausfordernd das Begrenzen des Pferdes ohne das Nutzen der Bande, gleichzeitig aber unter der Kontrolle der richtigen Abmaße durch die Mittellinie und die Buchstaben.

Eine schöne Übung auf dem Mittelzirkel ist auch das Reiten von Volten in die Zirkelmitte. Eine Variante ist nach jeweils 3/4/5 Galoppsprüngen eine Volte in die Bahnmitte einzuleiten. Bei Erreichen der Zirkellinie dann wieder 3/4/5 Galoppsprünge auf der Zirkellinie und daraufhin die nächste Volte. Wer es noch ein wenig herausfordernder möchte kann jeweils auf dem Weg zur Zirkellinie durchparieren zum Schritt, eine Viertelrunde Schritt gehen, angaloppieren 3/4/5 Galoppsprünge auf der Zirkellinie, dann die Volte einleiten und im letzten Viertel der Volte wieder zum Schritt durchparieren.

Zum Schluss noch eine Anregung für alle die meinen, sie seien so weit, dass Hufschlagfiguren ihnen auch mit geschlossenen Augen glücken. Versucht es doch einfach mal mit einem „Durch die Länge der Bahn geritten“. Abwenden auf die Mittellinie, Augen schließen und einfach nur geradeaus reiten. Ach ja, vergesst nicht euren Reitlehrer mit der Kamera vor die Bande zu stellen. Einmal natürlich zur Sicherheit, so dass jemand rechtzeitig rufen kann, bevor es zu einer Kollision mit der Bande kommt und zum anderen eine tolle Kontrolle selber zu sehen was geschieht, wenn man den Sehsinn ausschaltet und sich alleine auf sein Gefühl verlassen muss. Viel Spaß!