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Schnaufst du noch oder reitest du schon?

Katze die Seil springt, Comic

„Du lässt dich doch eh nur vom Pferd durch die Gegend tragen“ „Reiten ist doch kein Sport“ „Also der einzige der da im Spring-Parcours arbeiten muss ist doch das Pferd!“ Na, auch schon mal so einen Satz zu hören bekommen?

Seien wir doch mal ehrlich, es gibt wirklich eine schweißtreibendere Sportarten als das Reiten? Es gibt auch andere Sportarten in denen viel mehr Kraft gefordert wird, denken wir nur mal an das Gewichtheben. Mit der Kondition ist das auch so eine Sache, den ganzen Tag im Büro, abends aufs Pferd, das müsste dann doch eigentlich auch reichen, oder?

Fürs Pferd entwerfen wir definierte Trainingspläne: Heute Dressur, morgen Longieren, dann die Springstunde, zum verschnaufen einen Tag nur Führmaschine und Koppel und dann wieder zwei Tage Dressur reiten. Und für uns selber? Hand aufs Herz, sicher noch nicht dran gedacht, das ebenso zu tun 😉

Wichtig zu wissen ist, dass jede Disziplin ihre eigenen Schwerpunkte im Themenkomplex Kondition – Koordination – Fitness hat. Für den Dressurreiter ist eine gut ausgeprägte Rumpf- und Rückenmuskulatur eine wichtige Voraussetzung um losgelassen auf das Pferd einwirken zu können. Auch müssen die Muskeln der Beine korrekt angesteuert werden und eine gewisse Kraftausdauer für diese Muskeln vorhanden sein. Das Thema Kraftausdauer wird insbesondere für den Springreiter eine wichtige Sache. Die Bein-, Rumpf – und Rückenmuskulatur muss über lange Strecken fähig sein das Gleichgewicht im leichten Sitz zu halten und für die nötige Entlastung über dem Sprung zu sorgen. Zusätzlich kann es auch zum Problem werden, wenn die allgemeine Kondition nicht ausreichend trainiert ist.

Allgemein gesprochen hilft man dem Körper vor allem auch durch Ausdauertraining das mit gezielten Kräftigung- und Dehnungsübungen kombiniert wird.  Durch das Ausdauertraining wird das Lungenvolumen vergrößert und somit können durch die bessere Durchblutung die Abbauprodukte aus den Muskeln schneller entfernt werden. Man bleibt länger leistungsfähiger und hat weniger mit den Folgen wie Muskelkater, Verspannungen, Müdigkeit oder Konzentrationsproblemen zu kämpfen.

Durch die Kräftigungsübungen helfen wir den Muskeln sich optimal auf die kommenden Anstrengungen vorzubereiten, wir stärken jede einzelne Muskelfaser, verkürzen die Regenerationszeit und das hilft Gelenke zu schützen und zu stabilisieren.

Beim Dehnen der Muskulatur können wir einerseits zur Entspannung der Muskeln nach einem Training beitragen, andererseits fördert es auch die allgemeine Elastizität und Beweglichkeit. Auch kann es durch die Entspannung der Muskulatur zu einer Verbesserung des Balancegefühls kommen. Fehlerquellen liegen im ruckartigen dehnen, dem dehnen ohne vorheriges aufwärmen oder dem dehnen bei Muskelfaserrissen und weiteren Verletzungen. Im Zweifel immer Rücksprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten halten bevor man mit gezielten Körperübungen beginnt.  

Was also tun? Nutzen wir das aktuell schöne Wetter und gehen ein wenig spazieren. Ob mit oder ohne Pferd ist erst mal egal. Dann steigern wir unser Tempo langsam, vielleicht sogar bis hin zum Joggen. Auch das kann mit einem gut vom Boden ausgebildeten Pferd viel Spaß machen und fördert die Kondition beider Parteien. Alternativ eignen sich auch Berge und Hügel im flotten Gehen. Vielleicht gibt es im Ort auch eine Walkinggruppe oder einen Lauftreff dem man sich anschließen könnte. Oder man organisiert so etwas gleich für die ganze eigene Stallgemeinschaft.

Wer nicht so auf Laufen steht, für den bietet es sich vielleicht an, das Fahrrad aus dem Keller zu holen und ab sofort zumindest mal an drei Tagen die Woche in den Stall zu radeln und wieder zurück. Und wenn man eh schon unterwegs ist, lässt sich vielleicht sogar noch der kleine Einkauf damit verbinden. Alternativ sind natürlich auch alle anderen Ausdauer-Sportarten wie Inliner fahren, Schwimmen oder Zumba erlaubt.

Wichtig: Starten sie langsam und in kleinen Reprisen. Besser jeden Tag 20 Minuten zügig spazieren gehen als einmal 30 Minuten Joggen, dabei vor Luftnot fast einen Rettungswagen zu brauchen und danach für drei Tage solchen Muskelkater haben, dass man sich schwört nie wieder Sport zu machen.

Und was tun, wenn das Wetter nicht mitspielt? Springt doch einfach zu Hause mal zehn Hampelmänner. Das fördert nicht nur die Kondition, sondern auch noch die Koordination. Wer dann noch zusätzlich ein Handicap einbaut wie die Beine im normalen Tempo und die Arme doppelt so schnell zu bewegen oder bei jedem Landen mit geschlossenen Beinen abwechseln den rechten oder den linken Fuß eine Fußlänge weiter vorne abzustellen, der hat trotz schlechtem Wetter ein gutes Training gehabt. Alternativ eignen sich auch Hula-Hoop, Seilspringen oder einfach nur eine Runde Schattenboxen.

Fündig mit Ideen wird man auch bei einschlägigen Videoportalen im Internet, je nachdem wie viel Zeit man gerade hat oder ob man bestimmte Schwerpunkte setzen möchte, kann man sich dort ganze Trainingssequenzen anschauen, oder am besten direkt mitmachen. Das Beste daran: Wenn einem eine Übung zu schnell geht, einfach kurz auf Pause klicken, in Ruhe weiter machen und dann erst wieder auf „Abspielen“ klicken. Auch gibt es inzwischen schon viele Übungsprogramme die direkt für Reiter und deren spezielle Problemstellen abgestimmt wurden. So kann man zusätzlich zur Kondition und Koordination auch bestimmte Muskelgruppen gezielt kräftigen oder dehnen.

Mit speziell auf Reiter abgestimmten Ãœbungen im Allgemeinen, sowie auch jeweils für den Reitschüler im Besonderen können Bewegungstrainer unterstützende Hilfe anbieten. Hier lohnt es sich nicht nur eine einzelne Stunde zu buchen, sondern an einem Kurs mit Theorieteil, Gymnastikteil und verschiedenen Reiteinheiten teilzunehmen.  So können die speziellen Schwachstellen jedes Reiters individuell herausgearbeitet werden und er kann mit begleitenden Ãœbungen für zu Hause ausgerüstet werden.

Und nun…. Auf geht’s, eine Runde an die frische Luft!