AllgemeinUnterrichtsgestaltung

Theorie muss nicht langweilig sein

„Och nein, nicht schon wieder Theorie“ oder „Ach, dieses bisschen Theorie fürs Reitabzeichen, das lerne ich ab Abend vorher schnell“ oder auch „Theorie? Ich möchte doch reiten lernen!“

Kennt ihr diese Sprüche? Ich eher selten, mein Geheimnis? Es sind eigentlich ganz viele unterschiedliche Dinge. Aber lest selber….

Schon die Reitanfänger lernen, dass vor dem eigentlichen Reiten die Theorie steht. So sind den ersten Reitstunden „praktische Theorieeinheiten“ vorgeschalten. Wie verhalten sich die Pferde, woran kann man erkennen, wie sie gelaunt sind? Wie funktioniert das mit dem Anbinden und dem Putzen? Welche Regeln gelten im Stall und in der Reitbahn? Zuerst wird das Thema anhand altersgerechter Arbeitsblätter erarbeitet, dann geht es aber raus in den Stall und wir besprechen den Stoff nochmals am und mit dem Pferd.

Weiter geht es dann auch in den Reitstunden. Mal lernen wir die Bahnpunkte, jeder kennt ja die bekannten Eselsbrücken für die Reihenfolge der Buchstaben. Ein anderes Mal geht es um die Hufschlagfigur „durch die ganze Bahn wechseln“: Die Katze jagt die Maus (von K nach M) oder der Hase rennt vor dem Fuchs davon (H-F). Wir lernen was „linke und rechte Hand“ bedeutet und das Thema „Innen und Außen“, beziehungsweise das Thema „Biegung“, kann man auch ganz gut am Beispiel einer Banane verdeutlichen, die dann die Pferde im Anschluss vertilgen dürfen. Gerne beziehe ich auch die erfahreneren Reiter mit ein, die dann den Anfängern ihr Wissen weitergeben dürfen.

Wie heißt es doch so schön? Nur etwas was ich anderen beibringen kann, habe ich selber ausreichend gut gelernt.

Und zusätzlich vertiefe ich mein Wissen durch das ständige Wiederholen und erklären in anderen Worten, bzw. im Beantworten der aufkommenden Fragen. Und wenn die Jugendlichen mal nicht weiterwissen, dann können sie sich sicher sein, dass ich im Hintergrund mit dabei bin und helfend eingreife.

Das gleiche Prinzip lässt sich auch in einer Theoriegruppe mit Jungerwachsenen oder Erwachsenen gut anwenden. Allerdings in einer abgewandelten Form. Es werden Expertengruppen gebildet, die sich für eine gewisse Zeit mit einem Thema beschäftigen und das im Nachgang den anderen vorstellen. Ich finde es immer wieder sehr spannend, welche neue Denk- und Lernansätze dabei herauskommen und konnte schon einiges in meinen Unterricht integrieren.

Aktuelles Beispiel sind die FN-Lehrtafel, die von einer Teilnehmerin mit einem Bildbearbeitungsprogramm von allen Wörtern „befreit“, dann ausgedruckt und mir einlaminiert für den Unterricht zur Verfügung gestellt wurden. In der einfachen Version kann ich nun zum Beispiel die Tafel mit den Fellfarben hervorholen und fragen, wer weiß welches der „Rappe“ ist. Oder ich beschreibe eine Fellfarbe und wer zuerst auf das Bild tippt und die richtige Bezeichnung nennt, darf das nächste Rätsel stellen. Schwierig wird es, wenn man versucht, auf der Tafel mit den Körperteilen alles ohne Hilfestellung zu benennen, leichter wenn es eine alphabetisch sortierte Liste gibt und man sich da einen Begriff aussuchen darf und ihn richtig zuordnen soll.

Wie wäre es mal mit einer Schnitzeljagd bei der verschiedene Aufgaben für die Teilnehmer warten? Je nach Teilnehmer kann man dann altersgemischte Gruppen wählen oder nach Altersstufen aufteilen und unterschiedliche Fragen stellen. Vielleicht bietet es sich aber auch an, die verschiedenen Reitniveaustufen untereinander zu mischen. Dann gibt es mehr Punkte, wenn die Anfänger der Gruppe die Aufgabe lösen können und nur wenn die nicht weiter wissen dürfen die anderen helfen, aber es gibt weniger Punkte?
Oder wir machen eine Stall-Rallye, bei der viele erfahrene Reiter die Stationsbetreuung übernehmen und ihr Wissen weitergeben in Sachen „Giftpflanzen“ „Bandagieren“ „Sattelpflege“ etc.? Einen Laufzettel für alle Teilnehmenden, vielleicht auch ein paar Spaßstationen wie Hufeisenwerfen oder Äpfel aus dem Wassereimer fischen, am Ende ein gemeinsames Grillfest und keinem fällt auf, dass er an dem Tag entweder als „Lehrer“ oder als „Schüler“ ganz viel Neues gelernt und mitgenommen hat.

Vielleicht bietet sich auch die Möglichkeit mal den Hufschmied zu einem Termin einzuladen? Oder einen Besuch in der Pferdeklinik zu organisieren? Viele Trainer der unterschiedlichen Richtungen bieten Kurse zum Thema Bodenarbeit, Clickertraining oder Seminare zum Thema Ausrüstung an. Auch hier bieten sich unzählige Möglichkeiten diese Angebote mit dem eigenen Unterricht zu verknüpfen. Wer weiß, vielleicht ist der Hufschmied im Gegenzug auch mal ganz glücklich drüber, seinen Lehrling für ein paar Tage im Reitstall unterzubringen, so dass der mehr über Pferde im Allgemeinen, ihr Verhalten und den Umgang mit ihnen lernen kann?

Zum Schluss noch ein paar allgemeine Tipps:

  • Sorgt für einen Anreiz, vielleicht kann es einen kleinen Preis für denjenigen geben, der am Ende des Jahres am meisten „Theoriestundenpunkte“ gesammelt hat. Oder ihr bereitet euch gemeinsam auf den „Pferdeführerschein Umgang“ vor.
  • Teilt die Stunde in kleine Stücke auf. Zuerst einen groben Einstig geben, dann erst das Thema vertiefen. Fragt ab und zu nach, ob noch alle mit dabei sind, sonst lohnt sich vielleicht eine kleine Runde frische Luft zu schnappen und einen Teil „in live“ zu wiederholen?
  • Zeigt viele Bilder, gerne auch immer wieder wiederholende Teile, erzählt aus eurem eigenen Reiterleben, von euren Erlebnissen. Nutz die Möglichkeiten des Internets, Videos der FN oder (gut ausgesuchte!) Videos von bekannten Videoportalen. Solche Dinge bleiben länger und besser im Kopf als der rein gesprochene Text.

Und der wichtigste Tipp am Ende: Habt selber Spaß und Freude bei dem was ihr tut!