Reitlehrer & Reitschüler

Tschüss, bis nächste Woche!

Dann jetzt nochmal antraben und leichttraben. Lass die Zügel etwas aus der Hand kauen, sehr schön, wir haben gut gearbeitet, er schnaubt zufrieden ab. Du kannst dann zum Schritt durchparieren. Sehen wir uns nächste Woche wieder zur gleichen Zeit? Also dann, tschüss, bis nächste Woche!

So oder so ähnlich läuft es doch sicher auch bei euch ab. Man beendet die Stunde mit einem kleinen oder auch mal einem größeren Erfolg und lässt (hoffentlich) ein zufriedenes Pferd und Reitschüler zurück. Aber was dann? Jetzt ist der Schüler oftmals die ganze Woche sich selbst überlassen und übt manchmal mehr, manchmal weniger intensiv am neu erlernten weiter. Manchmal ist die Woche dann aber auch mit Longieren, ausreiten und Bodenarbeit ausgefüllt, bis wieder die nächste Reitstunde ansteht. Der ein oder andere Schüler kommt auch ein zweites oder gar drittes Mal in der Woche zur Reitstunde, wobei das dann doch eher die Ausnahme als die Regel ist.

Das bedeutet, dass der Reiter nun für die nächsten Tage sich selbst überlassen ist, ohne den direkten Unterricht und Feedback eines geschulten Ausbilders an Übungen trainiert und oftmals vor Problemen steht oder nicht bemerkt/bemerken kann, wenn sich Fehler einschleichen. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss, dass wir als Ausbilder während unseren Reitstunden mit dafür sorgen müssen, den Reitschüler darauf vorzubereiten, diese Tage sinnvoll zu nutzen. Ein paar Tipps und Ideen habe ich euch gesammelt. Vielleicht ist ja für euch auch noch eine neue Anregung dabei.

Beispiel 1: Als Hausaufgabe eine neue Hufschlagfigur in der Theorie lernen. Es gibt einige Bücher mit dem Thema Hufschlagfiguren, diese Bücher muss ich natürlich dazu entweder empfehlen oder an meinen Reitschüler ausleihen. Entweder das ganze Buch, oder in Form von Kopien. Aufgabe könnte dann sein zu markieren, wo wird umgestellt oder umgesessen. In welchen Gangarten können wir diese Hufschlagfigur reiten. Für Fortgeschrittene auch mal die Herausforderung sich als Hausaufgabe kleine Aufgaben auf dieser Linie auszudenken. Am Beispiel Zirkel wäre Übertreten möglich oder kurze Übergänge auf jeweils einer Viertel Zirkelrunde. Die ausgedachten Übungen werden dann in der nächsten Reitstunde aufgegriffen.

Beispiel 2: Wer mehrere Reitschüler auf etwa gleichem Niveau unterrichtet kann auch eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe bilden (Achtung, Einverständnis erfragen). Dort kann es dann einmal die Woche eine Wochenaufgabe für alle geben, die schon mal im Vorfeld oder im Nachgang zu den Reitstunden geübt werden kann. Wer möchte kann auch gerne ein Video hochladen und sich von den anderen beurteilen lassen, wobei man selber dann als Moderator fungieren muss und korrigierend eingreifen muss. Voraussetzung muss hierbei sein, dass die Reiter sich und die Pferde idealerweise untereinander kennen und man sich wirklich dazu verpflichtet freundlich und positiv mit einander umzugehen. Fehler dürfen und sollen angesprochen werden, aber immer ohne, dass ein anderer beleidigt wird. So eine Gruppe setzt ein gewisses Fingerspitzgefühl in der Wahl der Mitglieder, der Aufgaben und Moderation voraus.

Beispiel 3: Das klassische Trainingsbuch ist sicher den meisten bekannt. Nach der Reitstunde wird vermerkt, was heute gut geklappt hat, woran man noch arbeiten muss und eventuell auch eine kleine Hausaufgabe für die nächsten Tage. Hierbei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Egal ob zulegen und einfangen im Gelände oder Cavaletti-Training mit Unterbau aus Kuscheltieren oder Luftballons. Die Aufgabe sollte den Unterricht aufgreifen, eher etwas leichter gehalten sein und trotzdem einen neuen Aspekt beinhalten, der aber von Reiter wie auch Pferd gemeistert werden kann. Falsch wäre es, wenn im Unterricht daran gearbeitet wird das ruhige angaloppieren in der Halle zu erlernen, als Hausaufgabe festzulegen, dass das nun auf dem Außenplatz alleine trainiert werden soll.

Beispiel 4: Wie wäre es denn, mit dem Reitschüler gemeinsam einen Tag zu vereinbaren, an dem man sich zusammen setzt und einen Trainingsplan erarbeitet. Da können dann Ideen von beiden Seiten einfließen und man kann sich Gedanken darüber machen, wie man das gewünschte Ziel (Gelassenheit, Schnelligkeit, Krafttraing, Kondition, Koordination, …) erreicht. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, ob in den „Reitlehrer-freien“ Tagen mehr am Reiter oder mehr am Pferd gearbeitet werden soll. Auch müssen Alternativen gefunden werden für Tage an denen das Training nicht wie ursprünglich geplant stattfinden kann. Kann der Montag gegen den Dienstag getauscht werden, wenn ein Ausritt anstehen würde, es aber gewittert? Oder besser mit dem Mittwoch tauschen? Trainingseinheit verlängern, wenn das Pferd nicht zur Losgelassenheit findet, oder besser abbrechen und longieren? Diese Art des Trainingsplan fordert einiges an Zeit für den Ausbilder. Auch diese Zeit sollte man sich gerecht entlohnen lassen.

Beispiel 5: Macht es vielleicht in der ein oder anderen Situation Sinn, dass man als Trainer einen Tag in der Woche das Pferd des Reitschülers übernimmt? Entweder in Form von Beritt zur Korrektur oder auch mal longieren oder zur Bodenarbeit oder Dressurtraining für das Springpferd? Auch so kann man die Zeit etwas verkürzen in der der Reiter ganz auf sich selber gestellt ist.

Beispiel 6: Es ist auch möglich das Bilden von Reitpartnerschaften zu fördern. Man schaut sich gegenseitig beim Unterricht zu, kann sich beim selbständigen Reiten unterstützen und sei es nur, dass dem anderen wieder einfällt, was der Reitlehrer vor drei Wochen gesagt hatte. Vielleicht bietet sich auch ab und zu mal ein Pferdetausch an.

Beispiel 7: Im Unterricht fördern, dass der Reitschüler sich selbständig Übungsreihen ausdenkt und diese dann nicht nur in ihrer Ausführung bewerten, sondern auch daraufhin besprechen, ob die Übungen in einer sinnvollen Reihenfolge und Art gewählt wurden. Durch diese Befähigung zum selbständigen Reiten muss man jetzt als Reitlehrer aber nicht befürchten entbehrbar zu werden. Der Unterricht kann sich dadurch nur auf eine neue Stufe stellen, in der vom direkten anweisungsorientierten Reiten umgestellt werden kann, auf eine Korrektur in der variablen, dem Pferd durch das Reitergefühl noch besser angepassten, Unterrichtssituation.

Viele Reiter wünschen sich eine sehr intensive Betreuung nicht nur in den Reitstunden sondern auch noch direkt im Anschluss und über die zeit hinaus bis zur nächsten Reitstunde. Oft ist es ihnen durch Job und Familie nicht möglich mehrmals die Woche in den Reitunterricht zu gehen oder sie kommen nur einmal die Woche in den Schulunterricht. Als Trainer ist es nun meine Aufgabe herauszufinden, ob meine Schüler Begleitung in der „freien“ Zeit wünschen und wie ich ihnen die geben kann. Oft ist man als Reitlehrer ja auch nicht nur Ansprechpartner für das reiten an sich, sonder auch das drumherum mit Fragen zur Ausrüstung, Fütterung, Haltung, Ausgleichssport. Speziell aber für die reiterlichen Themen ist es mit etwas Fantasie nicht schwer Begleitung anzubieten. Wie viel Aufwand und Zeit man dafür als Trainer investieren möchte ist jedem selber überlassen.

Meine Erfahrung zeigt, dass kleine Übungsaufgaben gerne angenommen werden und ich so etwas lenken kann, was unter der Woche mit dem Pferd geübt und trainiert wird. Außerdem fällt mir der Einstieg in die nächste Reitstunde sehr leicht, da ich einen Anknüpfungspunkt habe und entweder darauf aufbauen oder bei der Problemlösung helfen kann.